Die Lust zu forschen

Unternehmen leisten sich einen eigenen Forschungspark mit zehn Testhäusern, jedes mit anderen Baustoffen gebaut. Das Ziel ist, festzustellen, welche Baustoffe am gesündesten sind. Das Projekt ist nur eines von vielen, die Bau- und Immobilienwirtschaft entdeckt die Lust am Forschen.

„Wir wollen uns mit den Partnern in diesem Netzwerk austauschen und voneinander lernen. Es ist nicht notwendig, dass wir das Rad immer wieder neu erfinden“, ist Baumeister Gunther Graupner, Leiter des Kompetenz­zentrums BAUForschung der Bundesinnung Bau, überzeugt. Wovon spricht Graupner? Von dem internationalen Expertennetzwerk AlpHouse, in das sich die heimische Bauwirtschaft eingeklinkt hat. Das Ziel ist eine über­regionale Initiative, ein neues Qualitätsverständnis bei der Sanierung von Gebäuden im Alpenraum. Klingt ziemlich abstrakt, ja. Konkreter gesagt, wollen die Teilnehmer „das kulturelle Erbe des Alpenraums, wie es sich in den traditionellen Architekturen, landschafts­bezogenen Siedlungsformen, regionalen Materialien und Handwerks­techniken ausdrückt“, erhalten und weiterentwickeln, dabei die Energieeffizienz und Gesamt-Ökobilanz der Gebäude und Siedlungen optimieren und sich damit den gemeinsamen Herausforderungen stellen, die von der EU-Gebäuderichtlinie gefordert wird. Die Richtlinie schreibt ja vor, dass ab Ende 2020 in Europa nur mehr „Niedrigst­energiegebäude“ errichtet werden dürfen. Derartige Gebäude dürfen nur mehr wenig bis gar keine Energie verbrauchen. Für die Umsetzung dieses ehr­geizigen Ziels sind innovative Lösungen für die Bauwirtschaft gefragt, und die AlpHouse Center suchen diese. Mit der Aufnahme des Kompetenzzentrums BAUForschung in das Expertennetzwerk von AlpHouse ist der nächste Schritt in Richtung internatio­naler Wissensaustausch erreicht.

Baustoffe auf dem Prüfstand

Zukunftversprechend sind auch ­private Initiativen wie zum Beispiel von der Vereinigung der österreichischen Zement­industrie (VÖZ) die sich mit dem VÖZfi ein eigenes kleines Forschungsinstitut leisten. Das Forschungsinstitut befasst sich schwerpunktmäßig mit anwendungs­orientierter Forschung im Bereich Betontechnologie und Betonbauweise. Die Ergebnisse dieser Forschungs­aktivitäten sind zum Nutzen öffentlicher und privater Auftraggeber, des Baugewerbes und der Bauindustrie sowie der Zementindustrie. Geforscht wird in Betontechnologie und Betonbauweisen, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, in puncto Beständigkeit/Dauerhaftigkeit von Beton/Betonbauwerken, zum Thema Spezialbetone (Beratung, Entwicklung, Überführung in die Praxis) wie auch zum Recycling von Beton.

Welche Baustoffe sind die besten?

Aber auch andere private Unternehmen, wie das Baustoffunternehmen Baumit, investieren in Forschung. Baumit will für Klarheit sorgen und stellt alle ­gängigen Baumaterialien im firmeneigenen Forschungspark auf den Prüfstand. Zehn kleine Häuser wurden komplett ident errichtet – der Unterschied liegt nur in den Bauweisen, dabei gibt es Ziegelhäuser, Holzblockhäuser, ein Fertighaus wie auch Häuser aus Beton. Baumit will herausfinden, welche Baustoffe welche gesundheitlichen und behaglichkeitswirksamen Folgen haben. Das Forschungs­projekt wird von Jürgen Lorenz, ­Prokurist bei ­Wopfinger, geleitet. Partner des Forschungsvorhabens sind unter anderem die Medizinische Universität Wien und das Institut für Baubiologie und Bauöko­logie. Bei einem Rundgang werden die Unterschiede der gebauten Qualitäten auch ohne Messinstrumente rasch klar: Raumluft, Wärme und Geruch können auch von Laien festgestellt und je nachdem als angenehm oder unange­nehm empfunden werden. Die Ziele des Forschungsvorhabens: Vergleich der gängigsten Bauweisen mit den neuesten Baustoffen in einem „echten Außenlaboratorium“, Einfluss und Auswirkungen der Baustoffe auf Raumklima, Luftqualität, Gesundheit und Wohlbefinden, Raumluftindikatoren, Mehrwert – Kosten-­Nutzen-Analyse wie auch neue Parameter für zukünftige Produkte für Neubau und Renovierung. Gemessen werden die relative Luftfeuchtigkeit, die Innenraumtemperaturen, Wand- und Oberflächentemperaturen, Luftionen, VOC und Radon, Geruch, Schall und Akustik, Feinstaub, Pollenkonzentration in der Luft, Feuchte-Sorption und Wasserdampf-Diffusion der Baustoffe wie auch der Energieverbrauch-Speicherung der Systemaufbauten.

Eifrige Betriebe

Alles in allem ist Österreich ganz brav am Forschen. Im aktuellen „Global Compet­itiveness Report“, der beim World ­Economic Forum, WEF, präsentiert wurde, erlangte Österreich Rang 16 von weltweit 148 Ländern. „Das respektable Ergebnis in einem der renommiertesten ­Rankings bestätigt die Wettbewerbs­fähigkeit des Standorts“, freut sich Wirtschaftsminister Reinhold ­Mitterlehner naturgemäß. Im Euroländervergleich liegt Österreich auf Platz vier. Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der FFG, ist vom Profit für alle durch ­Forschung überzeugt – und sieht Österreich als bahnbrechendes Innovationsland: „Österreich verfügt über hervorragende Forscher. Österreich ist ein Innovationsland. Das Geld ist dabei ein wesentlicher Faktor, mindestens ­genauso ­wichtig sind aber Kontakte, die für die nationalen ­Akteure vor allem durch EU-Projekte, aber auch durch unsere Internationalisierungsaktivitäten angebahnt und gefestigt werden. Davon profitieren Universitäten ­genauso wie kleine und mittlere Unternehmen, Start-ups und die Industrie.“ Und in zunehmendem Maße auch die Bau- und Immobilienwirtschaft und damit die Bewohner und Benutzer von Gebäuden.

 

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