Ferienimmobilien

Hallo liebe Leserin, lieber Leser! Jetzt bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Soll ich über dieses unglaubliche Immobilienprojekt schreiben, das mitten in der Krise groß wurde, oder über die geniale Architekturidee oder über die fantastische Umgebung? Ach was, ich esse erst mal meinen in Miso marinierten Lachs fertig, ein Gedicht, ich sag’s Ihnen! Ich mache alles. Ich schreibe Ihnen jetzt und hier einen Brief und pfeif auf einen eigenen Artikel. Ganz subjektiv und impressionistisch erzähle ich Ihnen, wie es zu diesem außergewöhnlichen Projekt auf 300 Hektar kam, das selbst, als der Immobilien­markt weltweit ­stagnierte, ­stetig wachsende Verkaufszahlen ­meldete. Und das in Spanien!

Ja, wo bin ich überhaupt? Im PGA ­Catalunya, einem Resort zwischen ­Barcelona und den Pyrenäen mit ­Villen, Townhouses, Apartments, einem 5-Sterne-­Hotel, zwei Spitzen-Golfplätzen und diversen Freizeitangeboten – alles auf einem Niveau, dass man fast Genick­starre bekommt. Das Schärfste aber gleich vorweg: Der Automobilclub RACC (quasi der spanische ÖAMTC) und die Wassergesellschaft Vichy Catalan kauften das Land vor 20 Jahren, um dieses entzückende Fleckerl mit einer Formel-1-Autorenn­strecke zu verschandeln. Strategisch gar nicht dumm: 60 ­Minuten von Barcelona, gut 30 Minuten vom Meer und nur zehn Minuten vom wirklich malerischen Städtchen Girona entfernt, bietet die Gegend nur das Beste, unter anderem auch die höchste Dichte an Sterne-Restaurants. Stellen Sie sich vor, Autorennen! Hier! Fürchterlich. Gott sei Dank wurde daraus nichts und der aktuelle Rennkurs wurde zwar bei Barcelona, aber viele Kilometer weit weg von hier errichtet. Stattdessen kam ein ­European-Tour-Golfplatz her, kleines Clubhaus dazu, fertig. Blöd, dass man da dann nicht übernachten konnte, also bauten sie ein 4-Sterne-Hotel. Ein zweiter Golfplatz folgte – und dann, ja dann kam der Ire.

Apartments im Bereich La Selva

Die Apartments im Bereich La Selva sind schon eher etwas für „Normalverdiener“. Eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern (85 Quadratmeter) kommt auf 385.000 Euro. Entworfen wurden sie
von dem renommierten Architekten Büro
Damián und Francisco Ribas, diskret in die Landschaft integriert und mit großen
Schiebefenstern versehen, die den
Wohnbereich mit den großen Terrassen
verbinden – ganz nach den strengen Vorgaben des Masterplans. Ein privater Weg führt auf den Golfplatz, und in ein paar Schritten erreicht man den Residents Club.

Der milliardenschwere Denis ­O’Brien kaufte die European Tour und damit ein Drittel des Projekts inklusive der damals wenigen Immobilien. Mitten in der Krise 2008 verleibte er sich dann die restlichen 66 Prozent ein. Verstehen Sie, in der weltweiten Wirtschaftskrise und als in Spanien die nicht gedeckten Hypo­theken explodierten! Als Apartment-Ruinen entstanden, und zahlreiche ­Spanier das Land verlassen mussten, weil es zu wenig Arbeitsplätze gab. Ich selbst kenne zwölf, die gingen. Da hat dieser Ire einfach mal das ganze Ding gekauft und auf Luxusimmobilien gesetzt. Freilich ist der Kollege clever. Schließlich hatte er eine ­komplette Vision im Kopf. Heute ist sie bereits Realität. 130 Millionen Euro wurden bislang investiert. Gebaut wurden von der Überdrüber-­Villa wie jene im Wohnviertel La Vinya um 2,3 Millionen Euro bis zu durchaus erschwinglichen Apartments zum Kaufen (dank eines Vermietungspools auch als Kapitalanlage sinnvoll) oder eben zum Mieten sowie zig Service- und Unterhaltungseinrichtungen. Klingt jetzt, also ob sich die Immobilien hier so dicht aneinanderreihen wie die Handtücher in Caorle zur Hochsaison. Gar nicht, das Ganze ist eher wie ein riesiger Park, ein Areal, hier mal eine kleine Siedlung, da wieder ein Golfplatz. Ich habe natürlich auch schon Interviews gemacht, unter anderem mit der Marketingverantwortlichen, Rita Jordao, und sie bestätigte mir, dass die durch­schnittliche Bebauungsdichte 1,4 Hektar beträgt. Und die natürliche Topografie darf auch nicht verändert werden, wenn ein Hügel da ist, muss das Haus halt entsprechend geplant werden. Überhaupt gibt es einen Haufen strenger Vorgaben zur Planung, die in einem Leitfaden festgehalten sind: Innen- und Außenräume sollen möglichst verbunden werden, lokale ­Materialien sollen zum Einsatz kommen, klare ­Linien sind gewünscht, Zäune überhaupt komplett verboten. Maximal 20 Prozent des Gartens dürfen bewässert werden und bei Gott nicht alle Pflanzen sind erlaubt. Spanische und internatio­nale Architekturgrößen ordneten sich gerne unter und planten richtig gute Häuser mit ­Grandezza. Ich habe Ihnen ein paar Fotos davon beigelegt.

Lässig und mondän zugleich: Das Hotel wurde zu einem 5-Sterne-Haus gepimpt, in dem man gerne Erlesenes mit Viererschnapsen kombinieren darf.

Die Großzügigkeit soll sich übrigens auch in Zukunft nicht ändern, wenn das unlängst dazugekaufte Grundstück bebaut wird. Nachverdichtung geht anders. Denn neue Wohnungen seien gar nicht geplant, beteuert Rita, vielmehr wird ein riesiger Weingarten hochgezogen, ein Badesee kommt, eine Reitanlage, Fußballplätze, ein Hochseilgarten usw. Teil des jüngsten Investitionsplans von O’Brien sind übrigens auch Gemüsegärten und Angelmöglichkeiten. Und natürlich das sanierte, ursprüngliche 4-Sterne-Hotel, das so ganz und gar nicht ins Konzept von Herrn O’Brien passte. War wohl mit der Meliá-Gruppe als Betreiber auch nicht ganz glücklich. Jetzt heißt es jedenfalls Hotel Camiral, trägt 5 Sterne, wird selbst betrieben und ist ein Musterstück an Innendesign (wirklich, eine so ­gelungene Melange aus leger und luxuriös habe ich selten gesehen). Das bestätigten mir bellend gestern Abend auch die sechs Männer aus der Oststeiermark, die in der Bibliothek bei feinstem Whisky drei ­Stunden lang mit ihren mitgebrachten Karten viererschnapsten.

Mustervilla in La Balca

Auch aus dem Hause Lagula stammen die Entwürfe der Mustervilla in La Balca. Das Design spricht für sich, das Haus ist was für Golf-Liebhaber, weil es einen wunderbaren Blick über das 15. Loch des Tour-Courses sowie den See und den dichten Pinienwald bietet.

Ein seltsamer Ausgleich zum Golfen, dachte ich. Darüber würde ich Ihnen freilich auch noch gerne schreiben, über die vielfach ausgezeichneten Golfplätze hier. Das kann ich aber nicht, ich spiele noch immer kein Golf und ganz ehrlich – zum ersten Mal denke ich mir: wie schade! Ach ja, eines noch: Als gelernter Öster­reicher glaubt man ja, dass solche Luxus­areale voll mit Russen und Ukrainern sind. Die findet man hier aber lustigerweise überhaupt nicht, vielleicht weil es keine Gated Community im klassischen Sinn ist, Zäune sind ja verboten … Die entzückende Marketing-Lady konnte mir nicht einmal eine spezielle Käufergruppe nennen, die Eigentümer würden sich auf 25 Nationen verteilen. Eine der Ziel­gruppen seien hier jedenfalls – fest­halten! – Familien. Klar, das ist kein Robinsonclub, aber als ich die Spielplätze und den neuen Kids Club gesehen habe und auch mit Familien, die gerade hier sind, geplaudert habe, verstand ich: Stilvoll und spaßig geht beides.

Das Büro von Olga Felip und Josep Camps
wurde bereits auf dem Next Landmark Contest für sein erstes Werk gelobt und 2013 wurde Olga Felip mit dem viel begehrten AJ Emerging
Woman Architect ausgezeichnet. Die
verblüffenden Entwürfe der Architekten
wurden 2014 auf der 14. Architektur-Biennale
in Venedig gezeigt. Neben der Villa
Sifera, die exklusiv für PGA/ Sifera entworfen
wurde, stellte das Team ein neues Modell in U-Form fertig. Der Grundriss der U-Selva mit
seinen fünf Patios verfügt über einen großzügigen Wohnbereich, einen Infinity-Pool sowie über ästhetisch hochwertige bioklimatische Installationen.

So, ich muss dann. Ich überlege mir ernsthaft, ob ich noch in den Cellar Can Roca fahren und das Vermögen, das ich nicht besitze, in dieses Erlebnis investieren soll. Zweimal schon wurde das Restaurant zum besten der Welt ernannt. Oder sollte ich eine andere, vielleicht billigere Essensmöglichkeit wählen, 20 Sterne-Restaurants habe ich in der Umgebung zur Auswahl. Ich sag’s Ihnen, leicht ist das nicht hier!

¡Hasta la próxima!

 

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