Magische 7 – Neue Wohnformen

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1. Suffizient

Ein heimisches Beispiel, wie vielfältig heute gewohnt wird, zeigen die aktuellen Entwicklungen der IC Projektentwicklung. Neben Studentenheimen auf hohem Niveau (allerdings auch preislich) baut das Unternehmen im Viertel Zwei gerade seine hochwertigen Terrassenwohnungen (namens Rondo) und zugleich Studios, die ganz dem Trend des suffizienten Wohnens entsprechen: also alles Wesentliche auf kleinster Fläche, nämlich 30 Quadratmeter, vereinen. Dafür gibt es Gemeinschaftsflächen, eine Dining-Lounge, Dachterrassen mit Grillplätzen – und jedes Studio hat einen rund 15 Quadratmeter großen Balkon. Wem das zu wenig Freiraum ist, der hat ja noch den kompletten Wiener Prater direkt vor der Haustüre …

2. Big in Japan

Wenn wir auf immer weniger Platz möglichst viele Funktionen unterbringen wollen, hilft ein Blick nach Japan. Dort gibt es traditionsgemäß wenig Fläche, weshalb Architekten mit der Zeit zahlreiche clevere Lösungen erarbeiteten. Auf nur 18 Quadratmeter Grundfläche in Tokio plante das Atelier bow-wow zum Beispiel einen Hausturm. Hier müssten aber in erste Linie einige Regeln, Normen und Vorschriften in Österreich geändert werden, denn ein Stiegenhaus wie dieses wäre bei uns nie und nimmer realisierbar.

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3. Heute hier, ­morgen dort

Das Lucerne Festival bietet auch im heurigen Sommer wieder über 100 Konzerte. Und dann gibt es noch die Außenstellen, wie etwa die aufblasbare Konzerthalle Ark Nova, die an verschiedenen Plätzen in Japan zum Einsatz kam. Sie hat Platz für rund 500 Zuschauer, besteht aus einer Kunststoffmembran und wird einfach aufgeblasen. Die Show kann beginnen. Danach lässt sie sich zusammengefaltet auf einem einzigen LKW weitertransportieren. Für Wohnungen ist diese Variante zu avantgardistisch, mobile Lösungen auf Zeit sind hingegen immer mehr im Kommen – Stichwort Container-Architektur, Flüchtlingsunterkünfte etc. Wäre übrigens interessant, wie man die Lebenszykluskosten für das beeindruckende Konzertzelt berechnet …

4. Die Wohnung in der Hosentasche

Pocket nennt sich ein Konzept in England, das nicht nur die Grundrisse perfektioniert hat, sondern auch einen spannenden Vertriebsweg eingeschlagen hat. Die Mini-Apartments in guten Londoner Lagen sind für junge Menschen am Beginn ihrer Karriere gedacht. Die Grundrisse und Details sind so genial umgesetzt, dass die 38 Quadratmeter richtig geräumig wirken. Einbauschrank im Flur, wo sogar ein Fahrrad reinpasst, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Gang, Bad – alles unverdächtig, nirgendwo eng, die Raumhöhe ist sogar höher als in London üblich. Außerdem gibt es Fußbodenheizung, bodentiefe Fenster, Dusche statt Bad, keine Tiefgarage – was Kosten spart. Gedacht sind die Wohnungen für jene Zielgruppe, die arbeitet und wenn sie frei hat, ohnehin nicht in der Wohnung sitzen bleiben will, sondern rausgeht, Freunde trifft, die Stadt erlebt. Die Nachfrage nach den Wohnungen ist enorm, 2015 waren 21.000 Bewerber auf der Warteliste. Was kostet der Spaß? Zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Kaufen darf nur, wer weniger als umgerechnet 90.000 Euro im Jahr verdient und noch keine Immobilie hat. Auch beim Wiederverkauf. Außerdem muss der Nutzer in dem Viertel der Wohnung arbeiten oder bereits vor dem Kauf dort gelebt haben. Finanziert wird dieses Projekt übrigens unter anderem über Crowdfunding. www.pocketliving.com

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5. Garage war gestern

Garagen braucht man in der Stadt immer weniger, stimmt, aber darum geht es hier nicht. Sondern: Es gibt immer weniger der legendären Garagen-Firmen, wie sie Apple oder Microsoft als Legende geprägt haben. Heute sind Coworking Spaces angesagt oder, wie die nächste Evolutionsstufe heißt, Cohousing – eine Mischung aus Büro, Hotel, Arbeitszimmer, Abhänge-Areal, Wohnung, Meetingraum und Partylocation. Öffentlichkeit und Intimität in allen Abstufungen. Die Entwickler sind keine Immobilienplayer, sondern kommen eher aus der Start-up-Szene. Wework, Mindspace oder Zoku heißen die Büro-Wohnungs-Hybride, und sie haben große globale Pläne. Erst Ende Mai hat das Zoku in Amsterdam eröffnet und für das Konzept den Radical Innovation Award gewonnen.

6. Unreal Estate

Architekt Van Bo Le-Mentzel hat einen ganz eigenen Zugang zum Thema leistbarer Wohnraum. Einen genialen. Der Deutsche mit Wurzeln in Laos wurde einem breiteren Publikum mit seinen Hartz-IV-Möbeln bekannt. Le-Mentzel konstruierte Designmöbel, die jeder mit simplem Werkzeug und einem Brett um 24 Euro nachbauen kann. Die Kollektion umfasst Sessel, Tische, Stuhl und Schlafsofa. Die Pläne dafür bittet der Architekt, nicht auf Amazon zu kaufen, sondern stellt sie gratis zum Download zur Verfügung. „Konstruieren statt Konsumieren“ hat er sich zum Motto gemacht, und er weiß, wovon er spricht, war er doch selbst eine Zeit lang von staatlicher Unterstützung abhängig. Seine Tischlerkenntnisse eignete sich der 37-Jährige übrigens in einem Wochenendkurs an der Volkshochschule an. Nach dem Erfolg mit den Do-it-yourself-Möbeln startete ­Le-Mentzel einige weitere Projekte, etwa einen biologisch abbaubaren Fairtrade-Schuh im Converse-Stil, eine 30-Quadratmeter-Einraumwohnung und ein 4 Quadratmeter großes Haus auf einem Autoanhänger. Der Name: Unreal Estate House.

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7. Gute Mischung

Wohnblocks, das war einmal. Büroghettos ebenso. Endlich gibt es zunehmend mehr gemischt genutzte Gebäude. In der Seestadt Aspern werden die Erdgeschoßzonen der Wohnhäuser einheitlich als Retail-Flächen vermarktet, auch im Stadtentwicklungsgebiet Wiener Nordbahnhof ist Ähnliches geplant. Aber auch klassische Investmentobjekte öffnen sich immer mehr einer Mischnutzung. Beim Taunus Turm von Tishman Speyer in Frankfurt kann man sogar in der Architektur sehen, dass er aus der Reihe tanzt. Gastronomie, öffentliche Nutzung unten, Wohnungen in der Mitte und oben Büros, lautet das Konzept von dem dänischen Planungsbüro BIG.

 

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