Arbeitsklimawandel

Alle reden von neuen Arbeitswelten, dabei würde es schon reichen, wenn die normale Umgebung nicht so ungesund wäre. Zwei Untersuchungen beweisen, dass schon mit kleinen Mitteln große Wirkungen erzielt werden können.

Gerade in der modernen Bautechnik findet Natur kaum bis keinen Platz mehr. Moderne Steuerungs- und Lüftungs­technik sollte zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Dass aber gerade Grünpflanzen einen wesentlichen Einfluss auf Konzentration, Wohlbefinden und also Leistungsfähigkeit des Menschen haben, wurde durch verschiedene Studien der letzten Jahre bereits objektiv belegt. Hinzu kommt das subjektive Wohlbefinden, das durch zwei hier untersuchte „Tools“ nachweislich erhöht wird (und wie wirkungs­voll das ist, weiß man ja spätestens seit Placebo). Bleiben wir aber bei den objektiven Fakten: Dietmar Schreiner hat in seiner Masterarbeit an der FH Burgenland untersucht, wie Florawalls – das sind vertikale Begrünungen im Innenraum – das Raumklima in Bürogebäuden beeinflussen. Hauptergebnis: Das Vlies, in dem die Pflanzen wachsen (Erde könnte schimmeln oder modern), und die ­Pflanzen geben ­Feuchtigkeit im Raum ab bzw. besser gesagt: Sie regeln diese konstant. Die Verbesserung der Raumluft wurde zweifach nachgewiesen, einerseits unter Laborbedingungen, andererseits im Feld, also in einem echten Büro, in dem die Mitarbeiter auch befragt wurden. Gerade die Luftfeuchtigkeit ist ein Riesenproblem in Büros. Der gesetzlich vorgeschriebene Minimalwert von 40 Prozent Raumfeuchtigkeit wird in Wahrheit fast nie erreicht, viele Büroangestellte sind tagtäglich einer Raumfeuchtigkeit von lediglich etwa der Hälfte dieses Wertes ausgesetzt. Im Sommer mag dies zwar noch erträglich sein, nicht so aber im Winter, während der Heizperiode. Kopfschmerzen, trockene Augen, Konzentrationsschwächen, in weiterer Folge Krankenstände – all dies soll laut dem Verfasser der Masterarbeit durch den Einsatz der Florawall verringert bzw. verhindert werden. Um bis zu 25 Prozent ist die Raumfeuchtigkeit demnach durch eine derartige vertikale Grünfläche konstant anzuheben. Als Einsatzort solcher Wände nennt der Autor bei Weitem nicht nur Büros, sondern ebenso Einkaufszentren, Verkaufsräume, Eingangsbereiche, Arztpraxen, Hotels, Ausstellungsräume oder Bühnen.

Planbarkeit und Akustik

Aufgrund der Studie lässt sich nun auch klar errechnen, wie viele Pflanzen bzw. Florawalls nötig sind, um bestimmte Raumverhältnisse entsprechend ideal zu versorgen. Das macht die Raumluftqualität planbar, denn aufgrund der nun ­bekannten Zahlen und Werte lässt sich die Haus­technik schon im Vorfeld anpassen (und auch einsparen). Weiterer Nebeneffekt der Pflanzenwand, die von einem österreichischen Unternehmen hergestellt und serviciert wird: Sie wirkt lärmdämmend.

Dauerbrenner im Großraumbüro

Der direkte Vergleich von Räumen mit bzw. ohne Florawall brachte in der Studie klar hervor, dass in Räumen mit Florawall die Nachhallzeit deutlich geringer ist, was gerade in Besprechungsräumen, Großraumbüros oder Lobbys nicht un­wesentlich ist. In puncto Raumlufttemperatur und Kohlendioxidgehalt konnte Dietmar Schreiner keine nachweisbaren Effekte belegen. Im Gegenteil: Zwar wird durch den Einsatz der Florawall eine CO2-Reduktion erzielt, was für das Wohlbefinden des Körpers positiv ist, allerdings kann die Reduktion vom Menschen eigentlich nicht wahrgenommen werden. Dennoch gaben die Befragten an, sich besser zu fühlen – womit wieder der Placebo-Effekt eintritt.

Reduktion von Schweißgeruch in Räumen mit dem Zirbenlüfter

Zirbenlüfter

Auch die Wirkung eines weiteren angeblichen Raumluftverbesserers wurde wissenschaftlich nachgewiesen. Der Zirbenlüfter ist eine Erfindung des Tischlermeisters Josef Höllbacher und des Ingenieurs Herbert Rettenbacher aus Salzburg. Auch hier sind die posi­tiven Eigenschaften der Zirbe, pathetisch auch „Königin der Alpen“ genannt, seit Jahrhunderten bekannt und nachvoll­ziehbar belegt. Die Frage ist, funktioniert das Gerät auch dementsprechend? „Es konnte gezeigt werden, dass bei Vorliegen eines konventionellen Raum­klimas, wie es in den meisten Aufenthalts-, Lebens- und Arbeitsräumen vor­herrscht, eine signifikante Reduktion von Bakterien in der Luft erzielt ­werden kann“, heißt es in dem Endbericht von Cornelia Rieder-Gradinger von Wood K plus, TU Wien. Auch Pilzsporen ­konnten reduziert werden. Luftschad­stoffe wie Formaldehyd gingen beim Einsatz des alpinen Kästchens sogar um mehr als 90 Prozent zurück. Besonders erfolgreich bekämpft das Gerät unangenehme Gerüche wie zum Beispiel Schweiß oder Moder. Diese verschwanden innerhalb kurzer Zeit beinahe voll­ständig. Außerdem wurde die Reduktion von Feinstaub nachgewiesen. Wie darf man sich den Zirbenlüfter bzw. seine Funktion am Beispiel der klassischen Version („CLASSIC“) nun vorstellen? Man nehme, grob vereinfacht gesagt, einen Verdunstungsbehälter, einen Luftverteilersockel und vier hohle Zirbenholz-Säulen, durch die ver­dunstetes Wasser emporsteigt. Wasserdampf wirbelt – aufgrund gefräster Gänge im Inneren der Säule – in dieser empor und trägt die Wirkstoffe der Zirbe mit sich nach oben, um sie schließlich als frischen Zirbenduft im Raum freizugeben.

Design und Natur

Den beiden untersuchten Geräten ist gemein, dass sie eigentlich mit natürlichen Prinzipien arbeiten. Beide sind wartungsarm und sehr flexibel – es reicht eine Steckdose (für den Ventilator beim Zirbenlüfter und zur automatischen Bewässerung bei der Florawall). Und noch etwas eint die beiden österreichischen Produkte: Sie sind durchdesignt und ein optischer „Hin­gucker“. Das unterstützt die in den Studien nachgewiesenen ­Wirkungen nochmals

Über die Studien

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