Eine Development-AG zum Anlegen

UBM neu. Was wird das? Die PIAG wird nach einem zweimonatigen Gastspiel wieder verschwinden. Am Ende gibt es eine europäische Premiere: den ersten reinen Developer, der an einer Börse notiert.

Viele Fragen stellen sich rund um die neue Immo-AG, die durch die Integration von Strauss + Partner und den PORR-­Immobilien in die UBM entsteht. Zum ­Beispiel diese: Wird die ehemalige Mit­eigentümerin an der UBM, die CA Immo, nun plötzlich zum Mitbewerber? UBM-Chef Karl Bier: „Nein, wir sind bei mehreren Projekten sogar Partner.“ Aber bei den Anlegern? Auch das nicht, beschwichtigt Bier, derzeit würden ja alle Immo-AGs versuchen, sich auf die Bestandshalter-Rolle zurückzuziehen und Erträge aus der Vermietung zu erwirtschaften. Die UBM neu gehe hingegen einen ganz anderen Weg, entstehen soll ein reiner Developer. Das macht was her, die Story unterscheidet sich damit von allen anderen Immo-AGs. Es gebe keinen anderen börsennotierten, reinen Developer in Europa, weiß Karl Bier. Reizvoll bei dem Geschäftsmodell ist freilich, dass in der Entwicklung mehr Ertragsmöglichkeit steckt als in der Bewirtschaftung. „Unser Ziel ist es, in jeder Phase der Entwicklung an der Wertschöpfung teilzunehmen: beim Kauf der Liegenschaft, durch die Schaffung des Baurechts etc. Am Ende des Tages schaffen wir ein Produkt, das zumindest 15 Prozent günstiger ist, als wenn man es am Markt zukauft“, gibt Bier die Richtung vor und meint weiter: „Aufgrund unserer Größe und Internationalität kommen ­Kunden zu uns und fragen, ob wir für sie dieses oder jenes zum Beispiel auch in einer anderen Stadt entwickeln können.“ Allein die UBM alt ist in neun Ländern tätig.

Klares Profil, unklares Portfolio

Mit dem Bekenntnis zum Entwickler bekommt der neue Börsentitel erstmals ein klareres Profil – mit Vor- und Nachteilen. Große internationale Investoren werden die bei einem Developer natürlich auftretende höhere Volatilität vielleicht weniger schätzen. Österreichische Institutionelle hingegen kennen und schätzen das Modell, ebenso können Privatanleger am reinen Entwicklungsgeschäft partizipieren. Klar, ein kleines Portfolio wird die UBM wie jeder Entwickler naturgemäß auch immer haben. Erstens, um die Immobilie bis zur Marktreife halten zu können, und zweitens, um den bestmöglichen Verkaufszeitpunkt abwarten zu können. Jene Objekte, die beim Start der UBM neu aus den unterschiedlichen Quellen eingebracht werden, können quasi als Start­kapital gesehen werden. Von einem „durchmischten“ Portfolio, das die PORR/PIAG mitbringt, spricht Wilhelm ­Rasinger vom Interessenverband für Anleger. „Knackpunkt für den Streubesitz wird die faire und ausgewogene Bewertung der beiden Unternehmen, PIAG und UBM, und ihrer Immobilien sein“, so Rasinger. Langfristig ist ein Entwicklungsunternehmen mit kleinem Arbeits-Portfolio jedenfalls von Marktschwankungen insofern unabhängiger, als dass es seine Objektwerte nicht ständig korrigieren muss. Außerdem gibt es durch das Aufdröseln der PORR in eine sortenreine Bau­firma und eine Entwicklungsfirma jeweils eine klare Linie. Das sehen auch die Analysten so, zum Beispiel Günther Artner von der Erste Group: „Wenn es gelingt, auch die UBM an der Börse liquide zu machen, dann haben wir – gemeinsam mit der erfolgreichen PORR – zwei neue interessante Werte an der Wiener Börse, das ist sicherlich ein gutes Zeichen.“ Und auch Anleger­schützer Rasinger streut Rosen: „Die UBM war bislang recht konservativ – im positiven Sinn. Ich sehe sie als ein Juwel, das nun sukzessive geschliffen wird.“



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