Druck mir mein Haus

Der US-Ingenieur Behrokh Khoshnevis nennt sie liebevoll „Ein-Haus-an-einem-Tag-Maschine“: Mit Recht fürchtet sich die Bauindustrie vor Contour Crafting.

Was drucken 3D-Geräte eigentlich noch nicht aus? Spielzeug, eine Handyhülle, bunte Weihnachtsdekoration: im Bedarfsfall – wie von Geisterhand – ausgedruckt? Nur kurz flackerte anfänglich unsere Aufmerksamkeit auf, bald werden wir 3D-Ausdrucke als alltäglich ­erleben. Viel faszinierender ist da schon die Vorstellung, sich ein zweistöckiges Einfamilienhaus mit 200 Quadratmetern binnen eines Tages ausdrucken lassen zu können – inklusive Dach, Fliesen und allen Leitungen. „Mauern ohne Maurer“: Nichts weniger verspricht Behrokh Khoshnevis, 63, der sein Produkt als „die größte Errungenschaft seit der Chinesischen Mauer“ bewirbt. Der aus dem Iran stammende Ingenieur an der University of Southern California in Los Angeles entwickelt Roboter, deren Einsatz einer ­Revolution im Hausbau gleichkommt: Zeit- und Kostenersparnisse in der Errichtung sind schon gewaltige zukunftsentscheidende ­Faktoren. Wie funktioniert also diese Technologie namens Contour Crafting (CC)?

Die computer­gesteuerten Arme spritzen den Beton Schicht für Schicht auf.

Die computer­gesteuerten Arme spritzen den Beton Schicht für Schicht auf.

Contour Crafting

Vollmundig verspricht Khoshnevis mit Contour Crafting eine energie- und ressourcenschonende sowie emissionsarme Bautechnologie zur Fabrikation großer Komponenten: Ein Computerportal steuert die Roboterarme, die Beton durch Düsen sprühen. Auch direkt vom Rechner des Architekten kann die Maschine ihre Anweisungen erhalten – ein handels­übliches CAD-Programm (Computer Aided Design) reicht völlig aus. CC ist eine hybride Herstellungs­methode: Zuerst formt ein Verfahren die Objektoberflächen, vor dem Betonieren verankert der Roboter in den „Proto-­Wänden“ Stahlarmierungen, dann werden die Skelettwände in einem Füllprozess mit schnell härtendem Spezialbeton Schicht um Schicht verfüllt. Die Düsen tragen Beton als das Kernstrukturmaterial auf, als äußeres Oberflächenmaterial spritzen die Düsen später Gips auf, auch wird dieser gestrichen. Der Roboter verwendet vorproduzierte Versatzstücke, etwa Wandmodule für Strom- und Telefonleitungen, Dachbalken und Dachziegel. CC arbeitet eng mit der Bauindustrie und mit Baumaterialien sowie Maschinenherstellern zusammen. Khoshnevis sieht das Potenzial von CC darin, die städtische wie die ländliche Wohninfrastruktur signifikant zu verändern und nachhaltig zu verbessern – die CC-Erfolgsfaktoren seien eine höhere Konstruktionsqualität zu viel niedrigeren Herstellungskosten als heute üblich, so entfällt etwa ein Großteil der Arbeitskosten. Auch wird die Umwelt geschont, fällt doch schließlich kaum Bauschutt an. Und wo kann die Technologie Contour Crafting eingesetzt werden?

Familienheim bis Mondkolonie

Bei Contour Crafting kann ein einzelnes Haus, auch eine Kolonie von Häusern – ­jedes mit einem anderen Design – in ­einem durchgängigen Prozess automatisch hergestellt werden. Es wurde an alles gedacht – selbstverständlich an ­elektrische Leitungen, an sämtliche sanitären ­Installationen, auch an die Klimaanlage. Die möglichen Anwendungen dieser Technologie sind weitreichend, dazu gehören etwa Nothäuser (anstelle von Zelten in Katastrophengebieten) genauso wie der Hausbau in allen Preiskategorien, freilich auch Mehrfamilienhäuser, Krankenhäuser, Schulen sowie Brücken, Türme und Geschäfts- bzw. Regierungsgebäude. Bald keine Zukunftsmusik mehr: Zerstörte, historisch wertvolle Städte lassen sich in kürzester Zeit wieder aufbauen. Gearbeitet wird auch an der Adaptierung von CC für Infrastrukturen, wie zum Beispiel Gehsteige und Wasserreservoirs. Geplant ist auch die Entwicklung von Projekt­management-Software, Sensory-Systemen und Informationstechnologien für die Gebäudeüberwachung und den Benachrichtigungsdienst von CC-Häusern in Echtzeit.

Weltraum-Bauträger NASA

Selbst die NASA hat die baulichen Möglichkeiten von CC erkannt – zur Schaffung von Habitaten auf anderen Planeten: Werden der Mond oder Mars bis zum Ende unseres Jahrhunderts Ziele menschlicher Kolonisation, wird CC an der Vorderfront zu finden sein. Die Erfindungen von Contour Crafting werden – nicht nur medial – in vielen Ländern der Erde aufmerksam beobachtet, zu den zahlreichen Auszeichnungen zählt etwa auch die Aufnahme in die National Inventor’s Hall of Fame. Rund 560 Jahre nach Erfindung des Buchdruckes kündigt sich also der „Hausdruck“ an.

www.contourcrafting.org



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