Facility des Jahres

So ist es halt mal bei einem Wettbewerb: Nur einer wird Erster. Weil aber alle Finalisten des Preises „Facility des Jahres“, der jährlich unter der Schirmherrschaft von HSG Zander am ATGA Facility Kongress verliehen wird, spannende Innovationen haben, stellen wir hier alle drei vor.

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RHW.2

Ein bisschen superlativ: Am Donau­kanal, dort wo früher die OPEC tagte, hat sich der Raiffeisen-Konzern ein Wahrzeichen geschaffen. Das weltweit erste Passiv-­Bürohochhaus kann man natürlich ­leichter bauen, wenn man selbst bzw. Tochterunternehmen als Nutzer auf­treten. Dennoch ist es ein hochinnovatives Werk: Schon allein die Baukörperfindung war vorbildlich. Und auch die Gebäudetechnik greift in die komplette Trickkiste und kombiniert Photovoltaik mit Erdwärme und dem Wasser des Donaukanals, das zur Kühlung benutzt wird. Zentral ist die Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung mit Biogas und die Klimafassade. Eine eigene App wurde für das Monitoring des Hauses entwickelt. Auch innen lässt sich das Haus sehen bzw. fühlen, die Qualität der Räume – zum Beispiel im Restaurant – ist einfach überdurchschnittlich und zeigt, dass nicht nur Technik wichtig ist, sondern auch der Mensch – er muss sich schließlich in dem Gebäude wohlfühlen. Dem in energieoptimierten Immobilien oft auftretenden Akustikproblem (es hallt, weil keine abgehängten Decken möglich sind) wurde mittels spezieller Akustik­elemente entgegengewirkt. ­Punktum: Hier wurde an alles gedacht. In der ÖGNB-Bewertung erreichte das Objekt 946 von 1.000 möglichen Punkten, beim Award „Facility des Jahres“ ging es letztlich als Sieger hervor.

Campus

Campus Gertrude Fröhlich-­Sandner

Die Stadt Wien hat die Aufgabe, Schüler zu unterrichten und auf die Kleinen im Kindergarten aufzupassen. Sie muss aber nicht Schulen bauen oder betreiben. Das können andere professioneller, weil es eben ihr Kerngeschäft ist. Bei dem Campus Gertrude Fröhlich-Sandner wurde also ein Paket mit der Errichtung, Finanzierung und dem Betrieb der Schule ausgeschrieben. Alles sollte aus einer Hand kommen. Bei so einem PPP-Projekt muss das Facility Management – jene, die später das Haus betreiben und auch für die Kosten verantwortlich sind – selbstverständlich miteingebunden werden. Die Stadt Wien trägt schließlich kein Risiko und zahlt nur eine pauschale Miete und ein FM-Entgelt. Das Ergebnis ist sensationell: Nicht nur, dass der Campus natürlich alle Stückerl für die Kinder spielt und Maßstäbe hinsichtlich der Hygiene und des ­Essens setzt, das FM-Team geht auch ganz in seiner Rolle auf. Da gibt es gerne auch mal eine Fleißaufgabe. Zum Beispiel wurde ein sonst ungenutzter Kellerraum zum Halloween-Zimmer dekoriert, in dem die Schüler, wenn sie wollen, sogar übernachten dürfen. Grabkerzen und Spinn­weben – ein ungewöhnliches Auf­gabengebiet für einen Facility Manager.

SilberM

Silbermöwe

Ein Refurbishment, das als ­absolutes Vorbild gilt! Das Gebäude wurde 1959 für Siemens errichtet und in den 80er-Jahren adaptiert. Damals war Flächen­effizienz kein Thema. Riesige Stiegen­häuser, zahlreiche Aufzüge (ein eigener für den Vorstand) zeugen davon. Trotzdem konnte die CA Immo nach dem Erwerb des Hauses ein hoch ­effizientes ­Gebäude daraus machen. Noch bevor Bosch als neuer Mieter feststand, wurde das 10-geschoßige Hochhaus entkernt bzw. rückgebaut, das Achsraster von 1,35 auf 1,30 geändert. Damit sind nun alle aktuellen Bürotypen möglich. Das 9. Obergeschoß wurde ­wegen der Erdbebenvor­schriften ­komplett entfernt und durch einen Leichtbau ersetzt. Die Haustechnik ist top: von der Photovoltaik­anlage bis zum Lösch­wassertank, der als Speicher verwendet wird. Dann kam Bosch als Mieter und mit eigenen hohen Nachhaltigkeitsvorgaben (­minus 25 Prozent CO2 an allen Standorten alle 5 Jahre). Das komplette Haus wird mit einem Monitoring-System analysiert, das 39 einzelne Bereiche erfasst. Neben Technik gibt es ausreichend Tee­küchen, Cafés, Restaurant, Pausenräume, Massage­raum etc. 30 Prozent der Mitarbeiter kommen mit dem Rad, weshalb man Abstellplätze und Umkleideräume schaffte. Während der Mittagspause gehen Kollegen miteinander laufen und können sich danach in den Duschen wieder bürofit machen.

Über den Award
Die Jury des Awards „Facility des Jahres“ besteht aus: Christian Grohs (Erste Group Bank AG), Claudia Laubner (Facility Management Austria), Heimo Rollett (Chefredakteur Immobilien­wirtschaft), Gerhard Schenk (HSG Zander), Christoph Sommer (WU Wien), Christian Steininger (Vasko + Partner) und Silja Tillner (Architekten Tillner & ­Willinger). Da der Preis von HSG Zander unterstützt wird, werden Immobilien, die von dem Unternehmen betreut werden, von der Jury nicht berücksichtigt.

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