Was ist smart?

Von Hannes Horvath

Da schießt mir spontan durch den Kopf: kleine Autos mit großen Werbebudgets, trotzdem ist Querparken immer noch ­verboten. Oder die ­Zigarettenmarke. Und dann sind da noch die beiden Comic-Spione, Clever und Smart, ­wobei Letzterer immer die Schläge ein­kassiert. Es gibt auch smarte Persönlichkeiten: George Clooney zum Beispiel finde ich smart. Und seit Kurzem sind auch noch Wohnungen smart. Großartig. Das Wort smart kann ganz schön viel, es ist der Joker unter den aktuellen Modewörtern.

In Wahrheit zeigt die Verwendung des Begriffs „smart“ genau auf, was bei smarten Wohnungen gemeint ist: Wir haben keine Ahnung, wohin die Reise eigentlich geht, bauen dafür aber recht passable, ach was, hochqualitative Wohnungen. Aus der Unkenntnis, wie die Welt in 25 Jahren wirklich aussehen wird und was die echten Bedürfnisse der Bewohner sind, verwenden wir ein Vokabel, das an keiner Stelle einengt – weil es keine verbindliche Aussage trifft. Das ist aber auch der Grund, warum dieses Wort so vielfältig verwendet wird. Das frühere Modewort Nachhaltigkeit ist teilweise in der „green“- und „blue“-­Diskussion aufgegangen. Nach dem Schwerpunkt rein energetischer Betrachtungen – wie zum Beispiel beim Passivhaus – wird jetzt auch vernünftiger und breiter diskutiert. Ist der Grundriss effizient, und vor allem: Deckt er die heutigen Wohnbedürfnisse wirklich gut ab? Auto oder U-Bahn? Die Lage einer Wohnung schlägt sich auch auf die Gesamtenergiebilanz nieder. Hinzu kommen noch viele Faktoren, wie Ressourcenverbrauch bei der Herstellung und im Betrieb einer Immobilie. All das rückt nun endlich in den Vordergrund – wir sind langsam auf dem richtigen Weg.

In letzter Zeit bekommt man jedoch den Eindruck, dass am Wohnbau zusätzliche Themen abgeladen werden. Allen voran sind da soziale Themen, wie zum Beispiel Demografie, Stichwort Alterung der Gesellschaft. Aber auch Konzentration und Umverteilungen von Kapital bzw. Fremdkapitalzugang in den unterschiedlichen Schichten. Jüngere Generationen haben teilweise nur mehr sehr eingeschränkte Chancen, Eigenkapital aufzubauen. Wie wird sich unsere Gesellschaft weiter entwickeln? Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft stark verunsichert ist und sich in – historisch betrachtet – atemberaubender Geschwindigkeit verändert. Es gibt starke Veränderungen bei Kommunikation, Lebensmodellen, Globalisierung, Technologien, die noch auf uns zukommen. Die Stakeholder der Wohnbauindustrie müssen langfristig denken, aber können auf derlei Problemstellungen natürlich keine Antwort geben. Und schon gar nicht mit neuen Immobilien darauf reagieren. Nervosität ist daher überall spürbar – was werden wir da wohl den nächsten Genera­tionen hinterlassen?

Wie soll man da vorausschauend für 50 bis 100 Jahre eine Wohnung, ein Wohnhaus, einen Stadtteil planen? Richtig: „smart“. Smart ist eine gute Antwort. Genauer kann man es derzeit wirklich nicht ausdrücken. Smart sollte daher für ein uneingeschränkt breites und engagiertes Nachdenken über tatsächlich neue intelligente Lösungsansätze stehen. Also clever … und smart.

Über den Autor
Hannes Horvath ist Geschäftsführer der DURST-BAU GmbH, die zum HOCHTIEF-­Konzern gehört. Er verfügt über eine bautechnische Ausbildung (HTL) und hat berufsbegleitend Wirtschaftssoziologie an der Uni Wien studiert. Horvath ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

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