Durch unfertige Projekte spazieren

Nicht gebaute Räume kann man nicht betreten. Jetzt schon: Ein virtueller Showroom bietet zum ersten Mal die Möglichkeit, Kunden und Partner schon vor Baubeginn durch das Objekt spazieren zu lassen. Ein Europa-Roll-out ist geplant.

Das Problem: Bauvorhaben sind für viele schwer vorstellbar. Bauträger, egal ob sie Wohnungen errichten oder Class-A Offices, tun sich schwer, den potenziellen Käufern oder Mietern ein Gefühl für das Objekt zu vermitteln. Ein Folder, ein paar hochgerechnete Visualisierungen, maximal ein Musterzimmer – das war bislang das höchste der Marketing-Gefühle.

Erster Standort: Blaue Lagune

Im Kellergeschoß der Blauen Lagune steht eine Hightech-Höhle, die Immobilien in einer neuen Dimension erfahrbar macht. Man betritt einen würfelartigen Raum, umgeben von HD-Leinwänden (selbst der Boden ist Projektionsfläche), setzt eine Brille auf und staunt nicht schlecht, wenn man plötzlich mitten in einem eingerichteten Haus steht. Lebensgroß, interaktiv und dreidimensional. Eigentlich 4-D, denn mittels einer Steuerkonsole bewegt man sich wie in einem Computerspiel in und um das Objekt herum; schlendert Richtung Wohnzimmer, durch die Wand auf die Terrasse, rast die Stiegen hinauf – und bekommt zum ersten Mal ein richtiges Raumgefühl. Dass das Meeresrauschen lauter wird, je näher man Richtung Küste steuert oder dass man einfach 20 Meter auf den Boden fällt, wenn man das Balkongeländer „überklettert“, sind Gimmicks, der Bonus-Track sozusagen.

Brille auf und los geht’s.  Mit der Konsole wandert man durch die Immobilie.

Brille auf und los geht’s. Mit der Konsole wandert man durch die Immobilie.

Bauträger können mieten

Zwei Jahre hat die nicht ganz billige Entwicklung, die – zumindest derzeit noch – den Namen Interior Cave trägt, gedauert. Visualisieren lasse sich jeder Raum, versichert Hartwig Schönhart, Geschäftsführer von Lichtenegger Interior, die die Cave-Idee real werden haben lassen und betreiben werden. Hotels, Büros, Wohnhausanlagen, Shops, alles sei möglich. Im Test hat die IMMOBILIENWIRTSCHAFT ein ­ganzes Fabriksgelände virtuell erkundet. Die Daten beruhen auf 3D-Hochrechnungen, die aus den Plänen gezimmert werden. Gemeinsam mit der Blauen Lagune soll der (oder heißt es die oder das?) Interior Cave nun vermarktet werden, und nun sollen erst mal Partner dafür gewonnen werden. Das Geschäftsmodell sieht nämlich vor, dass Immobilienunternehmen wie Bau­träger monatlich einen Betrag zahlen und dafür ihre Präsentationen bzw. Daten in den Interior Cave spielen dürfen. In weiterer Folge können sie dann auch Kunden, Banken, Partner zum Cave einladen. Architekten könnten theoretisch auch gemeinsam mit einem Visualisierungsprogrammierer „live“ planen und Veränderungen innerhalb weniger Augenblicke herzeigen. Für Privatkunden sei das Modell derzeit nicht ausgelegt, so Schönhart, die würden auch über keine 3-D-Aufbereitung verfügen bzw. diese zahlen wollen.

Ein eigener Interior-Cave-­Standort ­rechnet sich, wenn 20 B2B-Partner gewonnen werden. Die Blaue Lagune ist demnach erst der Anfang, einen europa­weiten ­Roll-out kann sich Schönhart gut vorstellen. Auch mobile Versionen (etwa für ­Messen oder die Baustelle) soll es geben. Sind die Partnerverträge festgemacht, wird sich auch der Standort ändern. Der Keller im Technik-Haus der Blauen Lagune ist nur ein Provisorium. Erich Benischek, Eigen­tümer und Geschäftsführer der ­Blauen Lagune, ist von der Idee begeistert und möchte jedenfalls ein eigenes Gebäude für das innovative Marketing-Tool errichten.

www.lichtenegger-interior.com

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