USA gegen Europa

Das RSF ist ein absolutes Leuchtturmprojekt der USA, von dem Europa lernen kann. Die USA als Land hinken hingegen, was die Nachhaltigkeit betrifft, im Vergleich zu Europa hinterher, meint Architekt Tom Hootman.

Das RSF (Research Support Facility) steht in Denver, wird als Büro (als administrativer Teil einer Uni) genutzt und ist mit 21.000 Quadratmetern Nutzfläche das größte Netto-Null-Energie-Gebäude der Welt. Architekt Tom Hootman erzählt, dass Nachhaltigkeitsbestrebungen in den USA nicht so selbstverständlich sind wie in Europa: „Es gibt in den USA viele Investoren, denen Nachhaltigkeit völlig egal ist.“ Zwar gebe es LEED als am ­häufigsten verbreitetes Zertifikat, aber das bilde ja auch nur einen Teil der Nachhaltigkeit ab – die Energie.
Während das RSF-Gebäude selbst natürlich auch für europäische Verhältnisse tipp-topp und ein Vorbild ist, kann die heimische Branche aber vor allem vom Betrieb und der Art der Zusammenarbeit bei Bau und Planung lernen. In der Ver­gabe setzte man Incentives ein: Holt ein Auftragnehmer trotz klar fixiertem Budget mehr als nötig heraus, gibt’s eine Belohnung. Im Betrieb des Gebäudes kann jeder Nutzer mittels Software auf seinem ­Rechner Feedback darüber geben, ob es warm oder zu kalt, zu hell oder zu dunkel ist etc. Die Software meldet auch zurück, wie viel Energie im Gebäude gerade verbraucht wird. Ganz amerikanisch: Die einzelnen Departments stehen im Wettbewerb zueinander – wer weniger Energie verbraucht, bekommt ebenso Incentives.
„Es gibt schon noch viele Unterschiede zu Europa“, resümiert Hootman, der im Rahmen des Lehrgangs Future Building Solutions an der DonauUni Krems zu Gast in Österreich war. „Bei uns war es eine ­Revolution, dass die Benutzer die Fenster öffnen können!“ In Europa auch nicht ­üblich seien hingegen die mit viel Aufwand großzügig gestalteten Stiegen­häuser – schließlich wolle man die Benutzer zur Bewegung animieren.
Lernen könne man jedenfalls ­immer, ist Hootman überzeugt. Im eigenen Fall, dem RSF, konnte man beim bereits ­erfolgten Zubau 5 Prozent der Baukosten und abermals 17 Prozent der Energie­kosten einsparen.

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