Gegen die leere Wand

Mit Werbung an der Außenwand Geld verdienen oder das Graffiti zur wohlverdienten Kunstform erheben – alles besser als fader „Leerstand“ an den Innen- und Außenwänden. Mit mancher Wandmalerei lässt sich sogar der Wert eines Hauses steigern.

Nichts. Das hat schon Dr. B in der Schachnovelle fast den Verstand geraubt. Warum sollte man also leere Wände anstarren müssen, wenn sie doch auch künstlerisch gestaltet sein können?

Der Rest ist eine Frage der Qualität

Fertig bedruckte Leinwände mit den Motiven „Paris“, „Herz mit Löwe“ oder den beliebten kleinen runden Wellnesssteinchen lassen sich günstig im Vorbeigehen bei IKEA, Libro oder Hofer einstreifen. Mutiger ist es schon, sich mit echter Kunst auseinanderzusetzen. Noch mutiger ist, wer sich über das Genre Graffiti traut. Wolfgang Schmitzer, Geschäftsführer des auf Tankstellen und Serviceparks spezialisierten Immobilienentwicklers: „Mein Büro ziert ein 2 mal 3 Meter großes Graffiti-­Bild mit dem Namen unserer Firma als Motiv. Durch die Dynamik und die Farben wird es nie langweilig.“
Den Bedarf an hochwertiger Graffiti-­Kunst in der Businesswelt glaubt ­Alexandra Kogler erkannt zu haben, wobei sie zwei unterschiedliche ­Zugänge verfolgt: Einerseits ist sie Problem­löserin und arbeitet gegen Graffitis. Hä? „Unternehmen wie die ÖBB oder auch Hausverwaltungen geben für die Entfernung von Graffitis enorm viel Geld aus. Dabei ­handelt es sich ja um illegale, meist ­hässliche Buchstabenkürzel oder Ähnliches. Wir bieten an, den Vandalismus mit den eigenen Waffen zu schlagen und die bestehenden Schmieragen mit einem Kunstwerk zu überdecken“, so Kogler. „Die Preise variieren natürlich, aber im Großen und Ganzen kann man mit 200 Euro pro Quadratmeter Fläche rechnen, wobei bei Großflächen Pauschalen ausgemacht werden“, erklärt Kogler, die mit ihrem Jung­unternehmen „Die Wand­designerin“ über ein Netzwerk internationaler Street-Art-Künstler verfügt. Wer mit einem Kostenvoranschlag für eine Graffiti-Entfernung zu ihr kommt, dem macht sie ein preislich besseres Angebot für eine Verschönerung.

Wer mit einem Kostenvoranschlag für eine Graffiti-Entfernung zu der Wanddesignerin kommt, dem macht sie ein preislich besseres Angebot für eine Verschönerung.

Einnahmequelle

Eine andere Variante, Leben in fade Fassaden zu bringen, ist Außenwerbung. Wer die Wiener Altmannsdorfer Straße Richtung Süden fährt, wird z. B. zwangsläufig auf die Frage „Kann man den Wert eines Hauses steigern?“ stoßen. Das auf den Vorsprung eines Zinshauses gemalte ­Sujet gibt natürlich auch gleich die ­Antwort: „Wenn’s einer kann, dann Attensam.“ Voraus­setzung für die werbliche Wandnutzung ist natürlich ein entsprechend frequentierter Standort. Um die Über­malung (des alten an der Wand befindlichen ­Sujets), die Genehmigungen und auch um die entsprechenden Werbekunden kümmern sich Außen­werbefirmen, wie in diesem Fall ISPA. Der Hauseigentümer bekommt einen zusätzlichen Ertrag, wie viel, ist Verhandlungssache. Für Alexandra ­Kogler kommen die ­Graffitis übrigens nicht nur als Über­schönerung infrage. Die zweite Schiene der Jungunternehmerin sind Auftrags­werke – innen wie außen. Urbane Elemente im modernen Bürodesign hält ­Kogler für durchaus passend: „Man erkennt an modernen Büros wie etwa bei Microsoft oder Google, dass fade weiße Wände der Vergangenheit angehören.“

www.diewanddesignerin.at
www.ispa-werbung.at

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