FAQ zum Wandel im Handel

Beantwortet von Mario Schwaiger, Leiter des Geschäftsbereichs Retail der EHL Gewerbeimmobilien

Alles redet von City-Logistik, aber konkrete Projekte gibt es nicht. Warum?

Wien befindet sich – wie bei vielen Themen – leider noch im Anfangsstadium dieser Entwicklung. Eine ­Arbeitsgruppe mit Vertretern der Stadt Wien und dem Land Nieder­österreich wurde bereits ins Leben gerufen – mit dem Ziel, eine umweltfreundliche und wirtschaftsfreundliche City-Logistik im Sinne einer „Smart City“ für die Zukunft auf die Beine zu stellen.

Andere europäische Hauptstädte, wie beispielsweise Madrid, sind hier bereits deutlich weiter in der Planung/Umsetzung. Das erste „Urban Distribution Centre“ hat vor einiger Zeit eröffnet und nutzt bereits ökologisch nachhaltige Transportmittel für Zustellungen innerhalb vordefinierter innerstädtischer Stadtgrenzen. Wien bzw. andere österreichische Städte werden hier sicherlich nachziehen.

Manche Marken sind komplett im Internet verschwunden, bei anderen konnten wir uns vor Jahren nicht vorstellen, dass sie eine Geschäftsfläche brauchen. Wie stark ist der Trend zum Showroom?

Es ist nicht verwunderlich, dass – insbesondere in sozialen Medien sehr stark vertretene – aufstrebende (internationale) Interior-Brands verstärkt auch den Trend zum Showroom in hippen Lagen folgen, da man letztendlich doch nicht nur der Online-Artikelbeschreibung für die finale Kaufentscheidung trauen möchte.

Gute Beispiele in Wien sind z. B.: MADE.com (Gumpendorfer Straße) oder auch Home24.at (Julius-­Raab-Platz). Im Conceptstore von MADE.com können die Möbel beispielsweise getestet und danach online bestellt werden. Wöchentlich werden neue Home-Accessoires und Designmöbel kreiert, welche sich stark an aktuellen Einrichtungstrends orientieren, aber dennoch nicht allzu teuer angeboten werden.

Gehts dem Wiener Retail-Markt gut? Wie wird er sich entwickeln?

Dem Wiener Retail-Markt geht es dort gut, wo es ihm eigentlich schon ­immer ganz gut gegangen ist (Goldenes H/Goldenes U bzw. innere Mariahilfer Straße). Der Online­handel gräbt dem stationären Geschäft nachweislich mehr und mehr vom Geschäft ab, und auch wenn neue Konzepte Leer­stände in schwächeren Handelszonen teilweise ­kompensieren können, werden Standorte aktuell von nationalen und internationalen Mietern/Interessenten so intensiv wie nur möglich evaluiert mit dem Ergebnis, dass durchschnittliche Lagen für viele generell nicht mehr in Frage ­kommen. Große Ausreißer, die diesem Trend entgegenwirken, sind einerseits Discounter (z. B. TEDI, KIK, Action), für die gerade auch schlechtere Lagen mit exzellenten Konditionen (aufgrund des Vermietungsdrucks mancher Eigentümer) wieder interessanter werden und andererseits der Lebensmitteleinzelhandel, der nach wie vor ungebremst an weiteren Wachstumsbestrebungen in vielen Bezirken Wiens (­insbesondere auch aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums) festhält.

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