Wohin mit dem Wäsche­ständer?

Ein Fertigteilhaus-Anbieter lässt seine Interessenten online Wände verschieben, und ein junger Immobilienentwickler erspart seinen Käufern das mühsame Aussuchen und Montieren.

Die Wohnungen der beiden Projekte The Son sowie David Chipperfield Residences sind nicht gerade Schnäppchen. Bei rund 6.800 Euro pro Quadratmeter starten die Verkaufspreise für die Immobilien in der Trautsongasse im 8. Wiener Gemeinde­bezirk. Für das Hietzinger Projekt, das vom Stararchitekten Chipperfield geplant wurde, sind die Preise ähnlich. Die Summen sind allerdings schwer mit anderen Wohnungen vergleichbar, denn Entwickler Vestwerk geht bei dem Projekt neue Wege: Die Apartments werden bereits mit maßgefertigtem Interieur angeboten. „Vom Tischler gebaute und im Design perfekt auf die Architektur abge­stimmte Einbaumöbel sind ebenso inkludiert wie hochwertige Geräte in den Küchen“, erklärt Maximilian Kneussl, Managing Partner von Vestwerk. Die Idee macht schon deswegen Sinn, weil sich Grundriss und Möblierung nicht immer so leicht trennen lassen. Kleiderschränke müssen bei der Planung ebenso schon mitgedacht oder -gebaut werden wie Einbuchtungen zum Sitzen oder der Tisch, der aus dem Küchenblock herauskommt. Raum und Möblierung verschmelzen bei dem „All-­inclusive-Angebot“ miteinander: Durch ein Hochbett wird beispielsweise auch ein kleines Kinderzimmer im Altbau plötzlich geräumig. Ein weiterer Vorteil: „Wir wollen unseren Kunden Mühe er­sparen – das Aussuchen einzelner Anbieter, Planungsbüros, guter Handwerker und die Koordination all dieser Arbeiten nehmen wir ihnen ab. Käufer können dadurch nicht nur sicher sein, die beste Qualität zu bekommen, sie können auch sofort einziehen, ankommen und sich in einer fertigen Wohnung wohlfühlen“, so Kneussl weiter. Sogar Details wie Abstellplätze für eine Leiter oder den Wäscheständer sind standardmäßig mitgeplant.

Marketingschmäh?

Auch zeitlich habe der Käufer daher einen Vorteil: Er zieht in die Wohnung ein, und bis auf die mobilen Möbel ist die Wohnung fix und fertig – so wie er sie sich ausgesucht hat. Daher investiert der Projektentwickler auch gerne in richtig gute Visualisierungen. Die Vision: Am Ende des Tages sollte es eine Software geben, in der sich der Käufer virtuell einrichten kann. Alles nur ein Marketingschmäh? Marketing ja, Schmäh nein. Für die Preise will Vestwerk seinen Kunden Entsprechendes bieten, so Kneussl. Ein ähnlich innovatives Vermarktungskonzept hat der Fertighaus-Hersteller Vario-Haus im Frühjahr dieses Jahres umgesetzt. „Wir haben all unsere Typenhäuser mitsamt der Möblierung so ins Netz gestellt, dass jeder sie am Computer ganz nach seinen individuellen Vorstellungen adaptieren und überarbeiten kann“, erzählt Initiator und Juniorchef Daniel Gruber. Jede Wand kann online verschoben werden. Das bezieht sich nicht nur auf Innenwände, ­sondern auch auf Außen­wände sowie ­Türen und Fenster. Auch die Möbel ­können nach Lust und Laune ausgetauscht und hinzugefügt werden.

Mit der 3-D-Brille durchs Haus

Wer dann wissen möchte, ob sich das eigene Traumhaus auch wirklich wie geplant umsetzen lässt und was das alles kosten würde, übermittelt den ­Grundriss an die Planer von Vario-Haus. Diese überprüfen die statische Machbarkeit und erstellen ein Angebot. Beim Termin mit einem Bauberater können potenzielle Kunden das Haus dann in 3-D besichtigen. Dazu erhalten sie eine Spezialbrille und einen Gaming-Controller. Sobald der Bauberater die passende App startet, geht’s los. Wer selbst eine solche Spezialbrille hat, kann natürlich auch von der eigenen Couch aus seinen virtuellen Rundgang starten. Derzeit bekommt man sie zu einem neuen Samsung Galaxy S7 gratis dazu. Ansonsten kann sich jeder Interessent eine „abgespeckte“ Version – die sogenannte „Google Cardboard“-Brille – um ca. 15 Euro online bestellen. Fehlt nur noch die passende App. Diese kann über iTunes oder den Android Playstore heruntergeladen werden. Sobald die App gestartet ist, kann man sich durch Drehen und Kopfneigen im Raum orientieren sowie sich vorwärts und rückwärts bewegen.
„Beim virtuellen Rundgang erkennen die User oft schon, wo es Verbesserungsbedarf in der eigenen Planung gibt und ob ein am Computer platziertes Möbelstück auch wirklich ins Zimmer passt. Insgesamt entstehen so einzigartige und individuelle Häusermodelle und die Kunden erhalten eine genaue und vor allem realistische Vorstellung davon, wie ihr Haus einmal ausschauen könnte“, erläutert Gruber.

www.vestwerk.com
www.variohaus.at/vr

 

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